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Britannien, wir kommen.

BREXIT. Der Austritt Großbritanniens aus der EU. Nun gut, ein Land von Populismus und Emotionen getrieben hat mehrheitlich entschieden, aus einer Gemeinschaft mit anderen Ländern auszuscheiden. Ein knappes Abstimmungsergebnis. Jeder Zweite Brite wollte raus. Jeder Zweite Brite wollte drin blieben. In Schottland und Nordirland durchgehend wie in der Hauptstadt London, aber auch in anderen kleineren Gebieten in England, war die Mehrheit für einen Verbleib. Schottland ist auf dem Sprung, nun aus dem Vereinigten Königreich auszusteigen und selbständig der EU beizutreten. Die Katholiken in Nordirland, die ganz überwiegend für den Verbleib gestimmt haben, sind unruhig. Die Londoner sind mehr als besorgt. Aber trotzdem, ein Land hat mehrheitlich entschieden. Damit wurden Fakten geschaffen.

Ich sehe die Europäische Union durchaus kritisch. Ein bürokratischer Moloch, eine Menge an Demokratiedefizit und anderer Dinge mehr, die ich nicht aufzählen will. Aber immerhin, eine Gemeinschaft, die Länder vereinigt und Menschen einander näher bringt. Die einen Rechtsraum für Menschen und Wirtschaft schafft, in dem Menschen und Wirtschaft sich über die Grenzen des eigenen Landes hinaus entfalten können. Der Rücksturz in die Enge und Begrenztheit des Nationalstaates ist ein Verlust zuallererst für die Menschen in dem betreffenden Land. Ob die Wirtschaft auf Dauer tatsächlich darunter leidet, wird sich noch erweisen. Aber meine Ansichten zu Wirtschaft und damit verbunden von Finanzsystem und Währung ist sowieso eine besondere.

Die Populisten schwadronieren vom „Beginn der Rückkehr zu einem Europa der Vaterländer“. Von der „Wiederherstellung der Selbstbestimmung der Völker Europas“. So redet beispielsweise der Moderator einer Gruppe in dem sozialen Business Network XING. Er würde es begrüßen, wenn Donald Trump amerikanischer Präsident wird. Vom  „Schutz und der Sicherung der Deutschen Staatsgrenzen“. Vom „Schutz des Deutschen Volkes“. In einem Beitrag im Anschluss an seinen Jubelbeitrag zum Brexit schwadroniert er gleichsam entschuldigend wegen Reaktionen des Unverständnisses gegenüber seinen Ausführungen über Begriffe und Begrifflichkeiten. Er versucht beispielsweise „Volk“, „Europa der Vaterländer“ oder „Einwanderungsflut“ als neutrale Begriffe zu „versachlichen“ und macht nichts anderes, als die Terminologie der Populisten, die eindeutig ist, zu legitimieren. Ich habe spontan diese XING-Gruppe verlassen, weil mir diese tumbe, also vorsätzlich dumme und unreflektierte, Rhetorik zuwider ist.

Das Problem, das ich sehe, ist ganz ein anderes. Ebenso wie die Lösung, die nicht in einem immer noch viel zu engen und beschränkten Gebilde wie der EU liegt, aber noch viel weniger und schon gar nicht in einem überholten Nationalstaat. Und das nicht nur für Europa. Die Lösung ist ein Europa der Regionen und der Kulturen, die sich meinetwegen auch in Zukunft einer nationalen Empfindungsgemeinschaft zugehörig fühlen. Die Europäische Union bleibt immer noch ein besserer Schritt in diese Richtung als jeder separierte Nationalstaat. Überhaupt wenn er sich in der Hand von Populisten befindet, die die Emotionalität der Massen schüren, die irgendwann zur Aggression gegen Andersdenkende im eigenen Land  und zu Spannungen und Auseinandersetzungen bis hin zum Krieg mit anderen Ländern führt.

Die EU hat längst ein „Europa der Regionen“ ausgerufen, ohne bisher allerdings in der Lage gewesen zu sein,  tatsächliche Verantwortung in die Regionen zu delegieren und diese auch gegenüber den Nationalstaaten zu stärken, zu denen sie gehören. Da waren die Nationalstaaten selbst vor, die sich immer noch in der EU vorbehalten, die eigentlichen Entscheidungen durch die Regierungen und nicht durch die Bürger in Europa treffen zu lassen. Die Regionen lassen sich in Europa aber auch nicht über einen Kamm scheren und sind selbst bei föderalen Strukturen eines Landes nicht durch die jeweiligen Bundestaaten alleine beschreiben. Wenn ein Föderalismus in der Europäischen Union angestrebt wird, und das halte ich für unumgänglich in der zukünftigen Entwicklung der EU, dann darf es kein Föderalismus der jetzigen Nationalstaaten sein. Dann muss es ein föderales System sein, das auf den Regionen aufgebaut ist und diese zu starken und selbstbestimmten Partnern macht. Die sich innerhalb einer großen Gemeinschaft befinden, deren Regeln sie sich unterwerfen und die die Koordination auf der Ebene darüber vornimmt. Die die Ungleichgewichte zwischen den Regionen ausgleicht, sie nach außen vertritt und schützt und was der sinnvollen Aufgaben mehr sind.

Wer meine bisherigen Ausführungen kennt, die ich letztes Jahr im Angesicht eines drohenden GREXIT, eines Austritts Griechenlands aus der EU, begonnen habe, und nun nach dem BREXIT der Briten fortführe, weiß, wohin in meinen Vorstellungen mit einem komplementären Wirtschafts-und Finanzmodell die Reise hingehen soll. Auch und gerade zu einer Gemeinschaft der Regionen. Auch deshalb bin ich ein Unterstützer einer Europäischen Gemeinschaft, die in der Lage ist, sich weiter zu entwickeln und dabei die Rahmenbedingungen schafft, die Regionen und ihre Menschen zum Zuge kommen zu lassen.

Aber wir sollten Großbritannien nicht abschreiben, ganz im Gegenteil. Ich hoffe, dass das Vereinigte Königreich auch nicht zerfällt und sich Teile loslösen. Ich fühle mich dem Land und seinen Menschen seit jeher verbunden und schätze seine Eigenarten und seine Besonderheiten ebenso wie seine Kraft. Ich bedaure den BREXIT, weil er Europa und die EU schwächt, aber ich sehe ihn auch als eine riesengroße Chance für Großbritannien, für Europa und die EU – und für TREEEC. Wenn andere von der Insel abziehen mögen, weil sie wirtschaftliche Nachteile sehen,  dann ist es Zeit, endlich nach London zu gehen. und dort eine der zentralen Systemeinheiten einzurichten, die TREEEC Systemgesellschaft für alle Beteiligungen, deren Aktien das Rückgrat für das komplementäre Währungssystem TREEEC MONEY (TRM) bilden.

Das britische Gesellschafts- und Aktienrecht kommt dem in Unkompliziertheit und Möglichkeiten entgegen.  Das britische Pfund Sterling ist dann die Referenzwährung. Auch wenn es im internationalen Handel bedeutungslos ist, dürfte es für TRM eine sehr geeignete „Partnerwährung“ sein, ohne dass daraus nach dem BREXIT irgendwann der von vielen Köchen zu weich gekochte EURO würde. Keine Frage, wie alle herkömmlichen Währungen ist es möglichen krisenhaften Schwankungen unterworfen und mit den anderen Währungen verbunden. Aber das ist einkalkuliert und wäre bei einer anderen herkömmlichen Währung nicht anders.

Aber Britannien hat noch mehr zu bieten, nämlich eine Aufgeschlossenheit und Erfahrung aus dem British Commonwealth mit Verbindungen in viele Teile der Welt, die nützlich für ein System wie TREEEC sind. Dazu kommt ein großes Know-how in vielen technischen Bereichen, bei denen es sich anbietet, mit Projekten von TREEEC von der Insel aus zu starten. Auch dabei ist Großbritannien nicht losgelöst von der EU, auch wenn es nicht mehr Mitglied sein sollte, sondern vielmehr weiterhin enger verbunden, als es jetzt den Anschein haben mag. Für TREEEC ist es sowieso keine besondere Sache, sondern im Gegenteil ganz natürlich, über Landesgrenzen, Blöcke und Wirtschaftssysteme hinaus seine Idee zu verbreiten und ein überzeugendes System für Finanz, Wirtschaft und Zusammenarbeit folgen zu lassen.

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Ein Kommentar

  1. Reiner August Dammann

    Nun – noch wird ja gerade der Exit vom Brexit diskutiert. Bei allen Ungeheuerlichkeiten, die die Leitung der EU zu verantworten hat, ist der überhastete Austritt aus der EU nicht die schönste aller denkbaren Entwicklungen zumal man gerade sieht, wie sehr das Volk betrogen wurde: anstatt Geldsegen aus Zahlungen, die man nicht mehr nach Brüssel abtreten muss, bekommen sie nun Steuererhöhungen. Hätte man das vorher gesagt – es hätte nie einen Brexit gegeben. Mal sehen, was das Parlament dazu sagt.