Home / Allgemein / Über Politik, Profitinteressen und verkaufte Freunde

Über Politik, Profitinteressen und verkaufte Freunde

Meine Begegnungen mit Persönlichkeiten aus der Politik, dem öffentlichen Leben, der Wirtschaft und anderen Bereichen haben immer einen Erkenntnisgewinn für mich bedeutet. Ganz überwiegend im Positiven. Viele dieser Persönlichkeiten sind in meinem Blick geblieben und ich konnte in Verbindung mit ihnen viele Hintergründe und Zusammenhänge besser verstehen und an ihrem Beispiel verfolgen, wie Dinge tatsächlich laufen. Das bedeutet nicht, dass man alles selbst anwenden kann, vor eigenen Fehlern ist man nicht gefeit, und Erfolge muss man sich auch selbst erarbeiten. Je intensiver ich mich aber mit der Idee von TREEEC beschäftigt habe, desto nützlicher waren mir diese Begegnungen und was ich daraus gelernt habe. Vieles ist nicht so, wie es scheint, mehr als wir ahnen. Und manche Soap um Macht und Geld, von der wir glauben, es sei ein modernes Märchen zur Unterhaltung des Fernsehzuschauers, ist noch harmlos gegen die Wirklichkeit. Deshalb weiß ich auch, was es bedeutet, TREEEC realisieren zu wollen, gegen beinharte Profit- und damit verbundene Machtinteressen. An Beispielen will ich deshalb auch zeigen, worauf wir uns einstellen müssen und was wir zu erwarten haben. Und dass eine noch so hohe Position nicht davor schützt, zum Spielball von Profitinteressen zu werden, selbst durch angeblich beste Freunde. Wenn ich aber nicht überzeugt wäre, dass es möglich ist, eine neue Wirtschaftswelt und eine neue Welt zu schaffen und diese unredlichen und unmenschlichen Interessen zurückzudrängen, würde ich das hier nicht schreiben.

Als Wladyslaw Bartoszewski. Jahrgang 1922, letztes Jahr starb, wurde ein Zeitzeuge des letzten Jahrhunderts und ein großer Mann und Pole zu Grabe getragen. Er war im Widerstand gegen die deutsche Besatzung Polens im 2. Weltkrieg, war Gefangener im KZ Auschwitz und nahm 1944 am Warschauer Aufstand teil. Außerdem war er führender Aktivist in einer christlich-jüdischen Organisation, die 75.000 Juden rettete. Nach dem Krieg wandte er sich gegen die Vorherrschaft der stalinistisch ausgerichteten Kommunisten und verbrachte Jahre im Gefängnis. Nach seiner Rehabilitierung 1955 arbeite der studierte Polonist als Historiker und Publizist. 1980 schloss er sich der Gewerkschaft Solidarnosc an und musste wieder ins Gefängnis. Danach war er rege wissenschaftlich und publizistisch tätig und unter anderem Gastprofessor an mehreren Universitäten in Bayern. Von 1990 bis 1995 war er polnischer Botschafter in Wien. Um dann zum polnischen Außenminister bestellt zu werden, wovon er aus politischen Gründen nach einigen Monaten zurücktrat. Von Juni 2000 bis September 2001 war er noch einmal polnischer Außenminister. Seit 2007 war er Staatssekretär und außenpolitischer Berater des polnischen Ministerpräsidenten Tusk. Bartoszewski veröffentlichte 40 Bücher und 1.200 Artikel, auch in deutscher Sprache. Ein beeindruckender, ein guter Mann.

Ich lernte Bartoszewski während seiner Zeit als polnischer Botschafter in Wien kennen. Die polnische Botschaft war damals eine echte Kommunikationsstätte und ein lebendiger Treffpunkt, zu der der neue Botschafter sie gemacht hatte. Es war nicht immer leicht, sich mit ihm in seiner akzentuierten und engagierten Sprechweise des Deutschen auszutauschen, aber dem, was er zu sagen hatte, konnte man stundenlang zuhören. Er wusste um seine Wirkung, und er setzte sie mit Nachdruck ein, im Positiven und um zum Positiven zu mahnen und zu verändern. Nachdem ich jahrelang keinen Kontakt mehr mit ihm hatte, traf ich ihn bei einem Vortrag in der Europäischen Akademie in Berlin wieder. Zu der Zeit hatte der 2. Irakkrieg nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York begonnen. Bartoszewski hielt einen Vortrag und kam dabei auch ausführlich auf die Motive für diesen Krieg zu sprechen. Er geisselte dabei auch die Verweigerung Deutschlands unter Bundeskanzler Gerhard Schröder, bewaffnet an dem Krieg teilzunehmen.

Schon zu Beginn des Krieges zweifelte ich sehr daran, dass Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfügen sollte. Aus Gesprächen mit aktiven und ehemaligen Nachrichtendienstprofis, auch amerikanischen, hatte die Sache für mich ein „Gschmäckle“. Oder anders ausgedrückt, ich vermutete damals schon, dass, wie sich später auch öffentlich herausstellte, die Gründe für den Angriff auf den Irak getürkt waren. Aber ich hatte auch die Entwicklungen in Verbindung mit dem Irak seit 1990, dem Beginn des 1. Irakkrieg intensiver verfolgt. Damals hatte ich gemeinsam mit meiner verstorbenen Frau den Botschafter des Irak einerseits mit den Botschaftern Saudi Arabiens und des Oman für die Verbündeten gegen den Irak andererseits  in Wien, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfahren sollte, an einen Tisch gebracht, um humanitäre Angelegenheiten besprechen zu können. Eine Einladung kurz darauf seitens der irakischen Regierung, nach Bagdad zu kommen und mir ein Bild dort zu machen, hatte ich aber ausgeschlagen, nachdem mir der amerikanische Botschafter Huffington, den ich freundschaftlich darüber informiert hatte, abgeraten hatte. Die offiziellen USA wären darüber wohl nicht so begeistert gewesen, so unbedeutend ich ansonsten war.

>>Der Irakkrieg (auch Zweiter Irakkrieg oder Dritter Golfkrieg) war eine völkerrechtswidrige Invasion in den Irak durch die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs, unterstützt von einer „Koalition der Willigen“.<< So liest es sich bei Wikipedia. Ein angeblich bevorstehender Angriff des Iraks mit Massenvernichtungsmitteln auf die USA sollte verhindert werden. Da die UN kein Mandat für einen Angriff gegeben hatte, mussten eben Beweise gefälscht werden, um den Krieg lostreten zu können. Ein Krieg, der eher geopolitische und wirtschaftliche Hintergrundinteressen hatte. Und der zum Tod vieler unschuldiger Menschen geführt hat und ein Land in Chaos und Terror zurückgelassen hat, das sei angemerkt. Und es sei auch angemerkt, und das wird viel zu wenig öffentlich gesagt, dass ein Bush Zwo und seine Helfer vor das UN-Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag gehören. Aber wer kann und wird diese Leute dorthin bringen? Nur die USA selbst, aber die sind noch nicht so weit. Für mich, der ich mich den Vereinigten Staaten immer verbunden gefühlt habe, ist das ein blutiger Schandfleck auf der Ehre dieser großen Nation.

Aber kehren wir zurück zu Wladyslaw Bartoszewski. Nach dem Vortrag stellte ich ihm abseits von anderen Vortragsteilnehmern die Frage, ob er das denn wirklich glaube, was er da behauptet habe. Dass ihm als polnischem Außenminister unzweifelhafte und sogar noch mehr Beweise vorgelegen hätten, dass es Massenvernichtungswaffen im Irak gäbe. Da die USA keine offiziellen diplomatischen Beziehungen und keine Botschaft im Irak unterhielten, hatte die polnische Botschaft in Bagdad die Interessen der USA dort wahrgenommen. Dadurch waren Polen und sein Außenminister aber auch dichter am Geschehen und hätten um einiges besser informiert sein müssen als andere. Aber Polen und Bartoszewski wurden von Bush Zwo & Co genauso verarscht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man einen Wladyslaw Bartoszewski leicht zum Narren halten konnte. Er hatte ein Gespür für Wahrheit und wusste Menschen einzuschätzen. Aber er hatte auch Vertrauen zu seinen Freunden. Wenn man ihm diese faustdicke Lüge verkaufen konnte, dann nur von amerikanischen Freunden, denen er vollkommen vertraute. Und die mussten der amerikanischen Regierung angehören. Was aber zeigt, dass es letztendlich keine Freunde waren und dass man einen aufrechten Mann missbraucht hat. Ich hatte nie mehr Gelegenheit, ihn dazu zu befragen, und weiß auch nicht, ob er dazu noch einmal Stellung genommen hat. Aber ich kann mir seine Enttäuschung vorstellen, von diesen angeblichen Freunden verkauft worden zu sein.

Verkauft im wahrsten Sinne des Wortes. Denn geopolitische Interessen mögen vorhanden gewesen sein, aber dann verlässt man ein Land nicht in gefährlicher Instabilität, die radikalen Kräften gegen Amerika noch mehr Nahrung gibt. Also waren es die wirtschaftlichen Interessen, die hinter allem standen. Nein, ich werde sicher nicht die Verschwörungstheoretiker befeuern, die 9/11 als einen von Osama Bin Laden initiierten terroristischen Anschlag in Zweifel ziehen, sondern auch das für manipuliert halten. Aber es war ohne Zweifel der richtige Anlass für Profitinteressen, das auszunutzen. Wobei ein Verfahren in Den Haag vielleicht auch klären könnte, ob Bush Zwo selbst getäuscht wurde und nur Marionette war. Auch das sei nur angemerkt. Im Irak wurden nach dem Sieg der USA und seiner Verbündeten Milliarden und Abermilliarden ausgegeben und verdient. Zum guten Teil durch irakisches Öl refinanziert, das für die Kriegskosten der USA floss. Ich führe das auf, nicht nur um zu zeigen, wie skrupellos Machtpolitik in Verbindung mit Finanzinteressen mit Freunden umgeht, sondern auch um einen kranken Mechanismus aufzuzeigen, der ohne Rücksicht auf Menschen und indem er hunderttausende von Opfern in Kauf nimmt, einfach nur Profitinteressen dient. Auch das zeigt, wie kaputt und krank das derzeitige Wirtschafts- und Finanzsystem ist.

Bleiben wir noch bei den Freuden, die ihre Freunde enttäuschen. Wenn es starke und mächtige Freunde sind, dann können die Enttäuschten nur mit den Zähnen knirschen, während sie nach außen ein Lächeln zeigen und es hinnehmen, wie mit ihnen verfahren wird. So ist es doch auch mit den Abhörmaßnahmen von NSA und anderen amerikanischen Diensten in Deutschland und bei anderen Verbündeten. Ich habe es auch schon lange nicht mehr geglaubt, dass wir von Abhörmaßnahmen und damit von der flächendeckenden Kontrolle der USA verschont bleiben. Denn ich habe früh etwas mehr Einsicht bekommen und es am eigenen Leib erlebt. Und so wissen es natürlich auch unsere jetzige und die voran gegangenen Regierungen und unsere Dienste, was da wirklich Abhörsache ist. Die, auch, politische und sicherheitspolitische Gründe hat, aber vor allem wirtschaftliche Motive. Ich möchte nicht wissen (stimmt nicht, möchte ich doch wissen), was die amerikanischen Freunde alles auszuwerten hatten, was Merkel, Schäuble & Co da so mit Griechenland und der Eurokrise gebastelt haben. Wahrscheinlich waren mehr Amerikaner damit beschäftigt als Leute auf Seiten der Europartner zusammengenommen.

Ich habe an einer anderen Stelle einmal Verständnis dafür geäußert, dass eine Macht wie die USA auf ihre Sicherheit bedacht sein muss und damit auch Unsicherheiten bei den Verbündeten über Freundschaft hinaus rechtzeitig erkennen und im Blick haben muss. Das sehe ich heute noch so. Aber ich wehre mich dagegen und habe kein Verständnis dafür, wenn das für Profitinteressen missbraucht wird und diese Profitinteressen Kriege losbrechen und Menschen in Tod und Not stürzen. Das muss aufhören. Es wird ein Segen sein, auch und gerade für die USA und ihre Menschen mit ihren beispielhaften verfassungsmäßigen Werten, wenn TREEEC sich durchsetzen und eine gerechtere Wirtschaftswelt schaffen kann. Und eine neue Welt dazu. Dabei weiß ich mich auch mit Freunden und Bekannten in den USA einig. Auch solchen in öffentlichen Funktionen, bei amerikanischen Diensten und bei großen Unternehmen.

Über Tai Kriegeskotte

Profilbild von Tai Kriegeskotte

Lesen Sie auch

Britannien, wir kommen.

BREXIT. Der Austritt Großbritanniens aus der EU. Nun gut, ein Land von Populismus und Emotionen ...