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Zum Zweiten – TREEEC und unternehmerische Verantwortung

Mein Beitrag „TREEEC und unternehmerische Verantwortung“ ist nicht unwidersprochen geblieben. Ich musste mir sagen lassen, dass das nur die halbe Wahrheit sei und ich das „schön rede“.  Besonders meine Ausführung, dass gute Mitarbeiter gebunden werden müssten, rief Unmut hervor. Das hätte nichts mit Verantwortung zu tun, sondern sei eine Investition gemäß Firmenstrategie. Außerdem gäbe es Studien darüber, dass freiwillige Sozialleistungen von Unternehmen die Arbeitsmoral keineswegs steigern würden, sondern das von den Mitarbeitern als selbstverständlich angesehen würde. Bei dem jetzigen Lohnniveau sei das auch der falsche Weg, da jeder sich Wohnung, Kindergartenplatz und annehmbare Lebensverhältnisse leisten könne. Diese Kritik äußerte ein kleinerer Unternehmer, ein Bäckereiinhaber, der noch hinzufügte, dass er seinen Mitarbeitern kostenlos Ware überließe und den Familienangehörigen auch einen Rabatt einräume. Das steigere aber keineswegs die Arbeitsfreude oder die Bereitschaft, mal früher anzufangen oder länger zu arbeiten, wenn Not am Mann sei. Er als Unternehmer zeige also sehr wohl Verantwortung für seine Leute, aber diese zeigten keine soziale Kompetenz und Verantwortung ihm gegenüber.

Ich nehme diese Kritik ernst. Und ich muss mir selbst den Vorwurf machen, dass ich unpräzise war und verallgemeinert habe, wo ich nicht hätte verallgemeinern dürfen. Dadurch dass ich das Konzept von TREEEC hinsichtlich der unternehmerischen Verantwortung verkürzt beschrieben und wichtige Fakten nicht erwähnt habe, um Sie als Leser nicht zu überfachten, habe ich es zu einem guten Teil falsch dargestellt. Deshalb will ich auf die vorgebrachte Kritik eingehen und auch das ein und andere ergänzen und richtig stellen. Lassen Sie mich noch darauf hinweisen, dass ich mit „Das Manuskript“ eine  „Bedienungsanleitung“ für TREEEC unter http://manuskript.treeec.xyz  erstelle. Dort werde ich sehr viel ausführlicher und konkreter darstellen, was TREEEC wie machen soll und machen wird. Und auch wie das integrative Modell für Unternehmen unter der etwas sperrigen Bezeichnung „Korporativ-soziative Verantwortung und Vorsorge“, kurz KSVV,  aussieht. Wobei unternehmerische Verantwortung genauso gefordert ist wie arbeitnehmerseitige Loyalität. Und das in Verbindung mit einem neuen Arbeitnehmerbeteiligungs- und Versorgungsmodell. Zunächst aber will ich hier auf die obige Kritik eingehen.

Keine Frage, die Verbindung eines Arbeitnehmers zu einem Unternehmen ist in Deutschland und den anderen Industriestaaten bis auf einige Ausnahmen im Mittelstand bei weitem nicht mehr so intensiv wie in den industriellen Aufbauzeiten oder wie es noch nach dem 2. Weltkrieg in den Anfängen des Wirtschaftswunders war. „Viele Arbeiter trugen den Namen ihres Betriebes mit großem Stolz. Sie identifizierten sich mit ihm und reichten die Zugehörigkeit an Kinder und Enkel weiter“, so heißt es in dem Film „Wir Kruppianer“  von Carsten Günther über die Mitarbeiter der Firma Krupp im Ruhrgebiet. Wie bei Krupp war es auch bei anderen großen Industrieunternehmen. Aber selbst bei kleineren Betrieben des Handwerks oder des Handels gab es eine familiäre Gemeinschaft. Ich selbst bin in einem kleinen Handelsbetrieb aufgewachsen, den meine Eltern führten. Die Beschäftigten saßen mit uns gemeinsam am Mittags- und sogar an Abendbrottisch. Keiner ist nicht früher zur Arbeit gekommen oder nicht länger geblieben, wenn es notwendig war. Wenn ein Beschäftigter Probleme hatte, wurde ihm nach Möglichkeit geholfen, finanziell oder in anderer Weise. Dafür setzte sich jeder mit ganzer Kraft für „seine“ Firma ein. Es ging aufwärts und jeder gab sein Bestes dafür.

Diese Zeiten sind vorbei, keine Frage. Das damals, ob bei Krupp oder einem kleinen Betrieb, entsprang dem notwendigen gemeinschaftlichen Zusammenwirken, das in Zeiten der des Aufbaus und Wiederaufbaus einfach vorhanden war. Heute werden zusätzliche Leistungen wie selbstverständlich erwartet. Wenn eine andere Firma mehr zahlt, gibt es kein Halten und schon ist der Arbeitnehmer bei dem anderen Unternehmen. Mir scheint auch die Leistungsbereitschaft insgesamt gesunken zu sein. Die Erwartungshaltung bei manchen Arbeitnehmern ist erheblich größer als die Arbeits- und Leistungsbereitschaft. Man will für seine absolvierte Arbeitszeit bezahlt werden, unabhängig davon, ob die erforderliche Leistung auch erbracht wurde. Auf der anderen Seite werden Arbeitnehmer einem unerhörten Druck ausgesetzt und zur Leistung gegen Mindestlohn gepeitscht. Im Logistik- und Zustellungsbereich beispielsweise. Oder der Arbeitnehmer wird in die Selbständigkeit gedrängt und gegen Dumpinghonorare beschäftigt. Das ist sogar bei Journalisten so. Viele, die früher einen gut bezahlten Job in einer Redaktion hatten, laufen heute als freie Journalisten den kleinsten Aufträgen nach. Da mag man kritisieren, dass große Unternehmen ihre freiwilligen sozialen Leistungen als Investition in ihre Beschäftigten gemäß Firmenstrategie ansehen. Aber wenn diese das überhaupt machen und das den Arbeitnehmern zu gute kommt, dann ist es durchaus legitim, dass das aus „Firmenstrategie“ gemacht wird. Das Problem scheint mir eher, dass viele Beschäftigte das als selbstverständlich ansehen oder nicht mehr zu schätzen wissen. Es würde ihnen erst auffallen, was das wert war, wenn es das nicht mehr gäbe.

Meine Ausführungen in meinem voran gegangenen Blogbeitrag hinkten auch deshalb, weil ich alle Unternehmen und deren Beschäftigten, in welchem Land auch immer, über einen Kamm geschoren habe. In einem so satten Land wie Deutschland müsste zuerst einmal wieder eine Not- oder Krisenlage entstehen, dass sich die Menschen bewusst würden, was Solidarität und Loyalität wert sind. Am Beispiel Griechenlands lässt sich aber ahnen, wie und wie schnell es gehen kann. Ein Unternehmen im System von TREEEC ist selbst stark und profitiert, mitsamt seinen Beschäftigten, noch zusätzlich von der System immanenten Solidarität von TREEEC. Gehen wir aber einmal in ein Land, in dem ein Aufbau erst gestartet werden muss, ähnlich wie ihn Deutschland zu Beginn  des industriellen Aufbaus oder nach den Kriegen. Da ist nichts da, noch weniger als bei uns vorhanden war, nicht einmal genug Staat, dass die Menschen das Mindeste haben. Oder es herrscht Unsicherheit und Chaos wie zur Zeit in der Ukraine. Und das ist immerhin ein Land in Europa. Oder denken wir an Haiti und auch Nepal nun nach den Erdbeben. Oder an Länder mit innerer Zerrissenheit und extremistischer Bedrohung wie Irak, Libyen und andere im Nahen Osten und Nordafrika. Oder an despotisch ausgebeutete Länder wie den Kongo. Auch in den Schwellenländern ist nicht alles Gold, das betrifft auch China, Russland, Brasilien und Indien. Es gibt noch genügend weitere Beispiele, viel mehr als stabile und „satte“ Länder wie unseres. Da ist so ein Modell und die unternehmerische Verantwortung, die wir bei TREEEC zu einer „freiwilligen Verpflichtung“ machen, nicht nur willkommen, sondern existentielle Notwendigkeit. Und, das darf nicht vergessen werden, der Garant auch für die persönliche Sicherheit und die der Familie.

Das oben schon erwähnte KSVV-Modell von TREEEC sieht auch eine viel stärkere Verknüpfung zwischen Unternehmen und Beschäftigten vor. Grob gesprochen hat das Unternehmen die Verpflichtung, Anteile des Gewinns für seine Mitarbeiter zu widmen. Die erhalten zusätzliche erfolgsabhängige Lohnzuschläge, zusätzliche soziale Leistungen und Vorsorgeleistungen. Damit soll auch die Abhängigkeit vom staatlichen Rentensystem mit seinen unüberschaubaren Entwicklungen verringert werden. In manchen Ländern und Regionen gibt es nicht einmal ein Renten- und Sozialsystem. Umgekehrt muss der Arbeitnehmer in Zeiten mit nicht so hohem oder gar keinem Gewinn hinnehmen, dass sein Lohn oder Gehalt geringer ist. Auf jeden Fall kann das Unternehmen aber so oder so seine Loyalität erwarten und seinen Einsatz nach besten Kräften. Zu diesem Einsatz gehört auch sein freiwilliges Engagement für seine Arbeitskollegen, wenn er, lediglich für einen kleinen Aufwandsersatz, beispielsweise Einrichtungen für die Beschäftigten mit betreut und pflegt. Zugegeben Trittbrettfahrer, Schmarotzer und Leistungsverweigerer wird es immer geben.  Aber die schließen sich früher oder später von selbst aus. Wir müssen uns aber von der Vorstellung lösen, dass alles bezahlt werden muss und nichts geschehen kann, wenn nicht Geld fließt. Viele solidarische Leistungen gründen nur auf gutem Willen und werden auch nur mit Dank und Anerkennung belohnt. Mein Sportclub bezahlt mich auch nicht dafür, dass ich dort Sport treibe. Im Gegenteil, ich muss noch dafür zahlen. Wenn aber die Vereinsmitglieder gerufen werden, freiwillig zu helfen, dann helfen wir eben, einander und damit uns selbst. Das wäre nicht anders im Betriebs-Sportclub eines Unternehmens. Und was ich für andere leiste, gerade auch für Arbeitskollegen, wird mir schon dadurch vergolten, dass ich Teil einer Gemeinschaft bin, einer „Familie“. Ich bin überzeugt, diese Zeiten sind nicht zu Ende, die fangen erst an. Nicht ausgeschlossen auch bei uns.

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