Home / Business / TREEEC und unternehmerische Verantwortung

TREEEC und unternehmerische Verantwortung

Hire and Fire. Heute einen Mitarbeiter einstellen, ihn morgen wieder feuern. Oder wie in Deutschland meist, einfach Zeitarbeitspersonal verwenden. Die hole ich, wenn ich sie brauche und die gehen, wenn ich sie nicht mehr brauche. Heute eine Firma kaufen, sie morgen wieder weiterverkaufen. Am besten noch in Einzelteile zerlegt und die Filetstücke rausgenommen. Oder nur die Filetstücke rausgenommen und die ganze Bude gleich dicht gemacht. Was interessieren mich die Mitarbeiter, langjährige Unternehmenskultur, die Einbindung in die Region? Solche Vorgehensweise ist Normalität heute, so tickt die von Finanzinteressen gesteuerte Wirtschaft, national und global. So sollte es nicht sein, keine Frage. Bei vielen Firmen, besonders mittelständischen, ist es auch nicht so. Das ist beruhigend. Außer die Erben wollen schnellen Reibach machen und verramschen das an irgendwen, irgendwann.

Gute Mitarbeiter muss man binden, das wissen auch große Konzerne, und halten gute Leute auch in Zeiten schwächerer Konjunktur. Aber in welchen Unternehmen fühlen sich die Mitarbeiter noch als eine große Familie? Wo sind die die Unternehmen, die für ihre Mitarbeiter noch kulturelle Einrichtungen, Sportanlagen und sogar Krankenhäuser unterhalten? Die preisgünstige Wohnungen und sogar Häuser für ihre Leute bauen? Wie sieht es mit den freiwilligen sozialen Leistungen und den Betriebsrenten aus? All das erodiert und fällt mehr und mehr der Gewinnoptimierung und der Fokussierung auf Shareholder Value zum Opfer, so nicht Steueranreize den Aufwand und die Kosten kompensieren. Und wenn nicht in Deutschland, dann in vielen anderen Ländern. Wenn die ihre Mitarbeiter nicht sowieso wie Arbeitsvieh und Arbeitssklaven halten. Und wo es solche sozialen Leistungen auch noch nie gegeben hat.

Aber soziale Leistungen für die Mitarbeiter sind schon der dritte Schritt vor dem ersten.  Wie sieht es mit den Arbeitsbedingen und der Sicherheit aus? Ich meine nicht die Sicherheit des Arbeitsplatzes hinsichtlich Kündigung, sondern die persönliche Sicherheit. Da verbrennen Menschen in einer Textilfabrik in Bangladesch, die Billigtextilien auch für Deutschland herstellt. Sie wurden mit Minimallöhnen bezahlt und waren an ihrem Arbeitsplatz eingesperrt. In türkischen und ukrainischen Bergwerken wird rausgeholt, was nur geht, aber die Anlagen sind veraltet und die Gefahr für die Kumpel ist unkalkulierbar. Immer wieder gibt es Unglücksfälle, bei denen Menschen sterben und schwer verletzt werden. Die Aufzählung könnte endlos fortgesetzt werden. Und nicht nur in der sogenannten Dritten Welt liegt vieles im Argen. Vor irgendwelchen sozialen Leistungen muss dort erst einmal für mehr Arbeitssicherheit gesorgt werden.

Da ist immer wieder die Rede von der Verantwortung des Unternehmens, auch von der Corporate Social Responsibility. Das wird gerne als Schlagwort gebraucht und es wird viel darüber geredet. Auch viel Wischiwaschi. Jedenfalls eignet es sich gut für die PR, irgendwas zu verkünden, was das Unternehmen irgendwie Gutes tut. Wenn man sich da und dort anschaut, was da zu Corporate Social Responsibility gesagt und geschrieben wird, dann handelt es sich um ein Unternehmenskonzept, das unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten alles zusammenfasst, was ein Unternehmen über seine gesetzlichen Verpflichtungen hinaus an sozialen, ökologischen und ökonomischen Beiträgen zur freiwilligen Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung leistet. Freiwillig, wohl gemerkt. Wobei ich hinsichtlich Freiwilligkeit da so meine eigenen Ansichten habe. Die auch bei TREEEC eingeflossen sind. Da ist die Frage eines Lesers meiner Blogbeiträge passend, die er mir direkt übermittelt hat: „Darf ich mal ne doofe Frage stellen: Was ist der gesellschaftliche Auftrag oder die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers? Hat er denn eine? Er zahlt Steuern, so er es denn muss, und aus die Maus. Welche Verantwortung trägt er denn noch?“ In dieser Frage steckt schon ein Teil der Antwort. Überhaupt wenn ich das mit Freiwilligkeit in Bezug setze.

Freiwilligkeit und Verantwortung. Bei TREEEC gibt es ein ganzheitliches Modell, das die Mitarbeiter eines Unternehmens gleichsam „familiär“ mit dem Unternehmen verbindet und es durch „öffentliche Interaktion“ mit der Region verwurzelt. Aus der Verantwortung heraus, die das als Business Partner bei TREEEC angeschlossene Unternehmen nicht nur für seine Mitarbeiter, sondern an sich als organischer Teil der Wirtschafts-,  Sozial- und Lebensgemeinschaft in der Region hat. Das führt keineswegs hin zu einem Verständnis von Pflichten und zu übernehmenden Aufgaben eines Unternehmens oder Kombinats wie etwa im Sozialismus. Denn da gibt es bei TREEEC einen erheblichen Unterschied und ein ganz klares Prinzip. Es kann und darf nur verteilt werden, was vorher auch verdient wurde. Und es darf nicht an die Substanz des Unternehmens gehen und den Gewinn des Unternehmers auffressen, den er sich verdient hat. Aber wenn es einen Gewinn gibt, und den gibt es in der Regel bei einem Unternehmen, das die Möglichkeiten von TREEEC nutzt und Teil der neuen Wirtschaftswelt ist, dann besteht aus der übernommenen Verantwortung heraus auch die freiwillige Verpflichtung, einen Teil davon für die Mitarbeiter, über Lohn- und Gehalt hinaus, und für die regionale Gemeinschaft zu verwenden.

Freiwillige Verpflichtung, das widerspricht sich doch, wie kann es das geben? Wir können niemanden zu etwas zwingen, auch nicht zu seinem Glück. Ob ein Unternehmen die Möglichkeiten der neuen Wirtschaftswelt von TREEEC nutzen will, bleibt vollkommen ihm überlassen. Es wird in jedem Fall eine Abwägung vornehmen, was es ihm bringt und ob es ihm mehr bringt als nur Teil der herkömmlichen Wirtschaftsstruktur zu sein. Ein ganz wesentliches Argument für TREEEC ist der fast unbeschränkte Zugang zu zinsenfreien Finanzierungsmitteln. Wer das nicht nutzt, um zu investieren und (nachhaltig) zu wachsen, und damit einen immensen Kostenvorteil zu haben, der wird trotz aller anderen Möglichkeiten keine  neuen substantiellen Werte schaffen und seinen Ertrag nicht entscheidend verbessern können. Wer das aber nutzt und damit letztendlich auch nachhaltig seinen Wert und Gewinn steigert, kann davon auch leichter etwas abgeben. Für seine Mitarbeiter. Und für die Allgemeinheit, über normale Steuern hinaus.

Alle Business Partner, die das neue Geld und die neuen Finanzierungsmöglichkeiten nutzen, übernehmen damit auch Verantwortung und haben die „freiwillige Verpflichtung“, soziale und gemeinnützige Beiträge zu leisten. Beiträge, die wirtschaftlich einem festgelegten Anteil des Gewinns entsprechen. Für kleine Unternehmen „poolt“ TREEEC diese freiwillige Verpflichtung und setzt die Mittel in diesem Sinne ein. Es darf nicht verkannt werden, welchen Effekt das hat. Nicht nur die Mitarbeiter und die regionale, oder bei größeren Unternehmen die nationale, Gemeinschaft profitieren davon, sondern auch das Unternehmen selbst. Es werden nämlich dadurch immaterielle Werte geschaffen, wie ganz wesentlich Loyalität, Vertrauen und ein gutes Image, die sich das Unternehmen in schwierigeren Zeiten, wie sie nie ausgeschlossen werden können, nutzbar machen kann. Es soll mir auch niemand sagen, dass nicht jeder Firmeninhaber oder Manager nicht lieber freundliche Gesichter um sich hat und nicht gerne zusätzlich hohe Wertschätzung für sein „freiwilliges“ Engagement erhält. Freiwillig, weil kein Unternehmen gezwungen wird, TREEEC als Business Partner beizutreten.

Wie gesagt, TREEEC verfügt über ein ganzheitliches Modell, das ein Unternehmen, das Business Partner wird, als einen Organismus ansieht, der nicht nur darauf ausgerichtet ist, den eigenen Unternehmenswert zu erhalten und neue Werte zu schaffen, aus denen nachhaltige Gewinne erwachsen, sondern auch diese Gewinne sinnvoll und verantwortungsvoll einzusetzen. Die Hälfte des Gewinns soll jeweils in das Unternehmen reinvestiert werden. Die verbleibende Hälfte teilen sich der Unternehmer und die Maßnahmen aus der „freiwilligen Verpflichtung“. Auf den ersten Blick scheint das für den Unternehmer wenig attraktiv. Aber nur auf den ersten Blick eines Nicht-Unternehmers. Tatsächlich wird der Unternehmenswert durch die Reinvestition gesteigert, was einen Vermögenszuwachs für den Unternehmer bedeutet. Das ist sogar vorteilhaft, wenn man das heutige deutsche Steuermodell zugrunde legt. Der entnommene Gewinnanteil dürfte für den Unternehmer innerhalb von TREEEC höher sein als der Gesamtgewinn außerhalb von TREEEC. Und die Verantwortung fällt dadurch auch noch leicht. TREEEC und unternehmerische Verantwortung schaffen so einen überzeugenden Synergieeffekt. Oder anders formuliert, mit TREEEC wird aus eins plus eins im Ergebnis drei.

Über Tai Kriegeskotte

Profilbild von Tai Kriegeskotte

Lesen Sie auch

Das Verständnis von TREEEC – was bewiesen werden muss und was nicht

Auf meinen Blogbeitrag „TREEEC als Open Source“ hat sich eine kleine Diskussion zwischen Kommentatoren entsponnen. ...

2 Kommentiert

  1. Blackeagle 2

    Der Wert des Unternehmens steigt durch die Reinvestition. Genau da sehe ich das Problem. Nicht das die Aussage nicht stimmt. Aber in der heutigen “ Kultur“ zählt doch nur, was ich an persönlichem Eigentum mehr habe als der andere. Das ein Unternehmen auch Eigentum ist vergessen viele Firmeninhaber. Da muss es noch ein größeres Auto sein, noch ein größeres Haus usw. Das sind alles vergängliche Sachen. Was bleibt ist aber ein funktionierendes Unternehmen, in dem motivierte Menschen arbeiten. Unternehmer müssen sich wieder auf ihre ureigensten Aufgaben besinnen. Josef Abs, einer der bedeutendstes Lenker der Deutschen Bank sagte zum Thema Unternehmensgewinn:” Er ist .. eine Lebensvoraussetzung für jedes Unternehmen und so notwendig wie die Luft zum Atmen für den Menschen. Wie der Mensch nicht nur lebt, um zu Atmen, so betreibt er (der Unternehmer) auch nicht seine wirtschaftliche Tätigkeit, nur um Gewinn zu machen.”
    Ich denken, das TREEEC hier hervorragende Grundlagen schaffen kann und wird, damit Unternehmen und Unternehmer sich wieder ihrer sozialen Verantwortung beißt werden und entsprechend handeln.

  2. Preußin

    Das ist nun mal ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Schließlich bin ich ein kleines Rädchen in einem doch ziemlich großen Unternehmen. Vorweg gesagt, ich bin sehr froh, in einem Unternehmen in Deutschland zu arbeiten. Schließlich wird Arbeitsschutz hier groß geschrieben, Urlaub und Krankengeld ist geregelt. Es gibt Gewerkschaften und Betriebsräte usw. Aber wie sieht es mit der vielgepriesenen Unternehmenskultur aus? Auf dem Papier sieht alles ganz wunderbar aus. Es gibt die Gewerkschaft, einen Betriebsrat, eine Frauenbeauftragte (oder jetzt Gleichstellungsbeauftragte), einen Suchtbeauftragten, eine Gesundheitskommision, ja man hat sogar ein externes Unternehmen beauftragt, an das sich die Mitarbeiter wenden können, wenn sie familiäre oder psychische Probleme haben. Arbeitnehmerherz was willst du mehr…? Gegen diese wunderbaren Errungenschaften steht eine einzigste Tatsache, die alles in Frage stellt. Alle, wirklich alle, Mitarbeiter, die ich kenne und die sich dem 58. Lebensjahr nähern, hoffen auf Vorruhestand, Altersteilzeit oder dergleichen. Egal zu welchen Konditionen, nur weg. Kann in einem Unternehmen mehr schief laufen?
    Tai schrieb halb scherzhaft in einem anderen Beitrag, dass die Mitarbeiter der Deutschen Bank ja als Servicekräfte für TREEEC umgeschult werden könnten. Ich wage zu behaupten, dass eine nicht gerade geringe Zahl von Mitarbeitern dieses Angebot liebend gern annehmen würden. Wenn man in diesem Job ein Gewissen hat (und das gibt es), zerbricht man daran. Wenn es also soweit ist, dass Servicekräfte für TREEEC gebraucht werden, wo kann ich mich bewerben?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *