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Valorismus, Werte, TREEEC und die Firma Apple

In meinem voran gegangenen Beitrag habe ich mich über die Überwindung des Kapitalismus durch den Valorismus ausgelassen und eine Definition gegeben: „Der Valorismus ist nicht nur eine neue Wirtschaftsordnung, sondern ein neues Verständnis von realen Werten und eine Gesellschaftsordnung, die auf diesen Werten und der Verantwortung aufbaut, Werte zu erhalten und neue zu schaffen.“ Dazu werde ich mich neben diesem Blog in „Das Manuskript“ noch ausführlicher auslassen und während des Entstehungsprozesses auch Kommentare und Fragen gestatten. Es dürfte aber hilfreich sein, wenn ich mich schon einmal zu meinem Verständnis von verschiedenen Begriffen in Verbindung mit Valorismus und TREEEC äußere. Auch in Beispielen. Und immer wieder zum Begriff Wert und zu Werten.

Lassen Sie mich das mit einer Frage beginnen. Was ist die Firma Apple wert? Ich will Ihnen den Hintergrund erläutern, warum ich das frage. Bei einer Zusammenkunft von Mitinitiatoren von TREEEC wurde diskutiert, ob bei der Eröffnung eines T:MONEY Kontos, wie das in Kürze möglich sein wird, auch anstatt herkömmlicher Währungen Aktien von Unternehmen angenommen werden sollten, um dafür T:MONEY gutgeschrieben zu bekommen. Euro oder Dollar haben nach dem Verständnis von TREEEC keinen realen Wert und dieses herkömmliche Geld muss sowieso unmittelbar in reale Werte getauscht werden. Unternehmensbeteiligungen, also auch Aktien, sind solche realen Werte. Dann könnten wir uns diesen Umweg auch teilweise sparen und gleich Aktien annehmen. Das wurde von allen bejaht. Von mir aber nur grundsätzlich. Warum nur grundsätzlich? Weil ich es für möglich und gut halte, direkt Aktien entgegen zu nehmen, sich aber die Frage des Einwechselpreises stellt. Und damit die Frage des Wertes der Aktie und des zugehörigen Unternehmens.

Wenn ich mir die Aktien chinesischer Unternehmen anschaue, dann ist deren aktuelle Notierung bei der gegenwärtigen Spekulationsblase viel zu hoch und entspricht nicht dem tatsächlichen substantiellen Wert. Die aktuelle Börsennotierung kann also nicht als Einwechselpreis einer Aktie für T:MONEY angesetzt werden. Betrifft das aber nur chinesische Aktien? Die Notierungen amerikanischer und europäischer Unternehmen scheinen da realistischer zu sein. Aber sind sie das tatsächlich? Und trifft das auf alle Unternehmen zu? Können wir also den Tageskurs der Aktien solcher Unternehmen an der Börse beispielsweise in New York als Einwechselkurs heranziehen? Nein, das können wir nicht.

Wir können diesen Tageskurs nicht verwenden, weil er auch zu „normalen“ Zeiten nicht den tatsächlichen Wert des Unternehmens wiedergibt. Zumindest nicht nach dem Verständnis von TREEEC. Bei manchen Unternehmen mag das zutreffend sein, wobei diese sogar noch unterbewertet sein können. Bei anderen, vielleicht sogar mit klingenden Namen, sieht das ganz anders aus. Deshalb waren wir in unserer Diskussion bald bei dem Beispiel Apple, der Firma mit dem angebissenen Apfel als Logo. Wer kennt sie nicht. Wer hat nicht ein Produkt von Apple in seiner Tasche oder wenigstens zuhause.

Ich habe das nicht, aber nicht weil ich die Produkte nicht gut finde. Ich halte sie in einigen Funktionen für führend innovativ und geradezu genial. Ich halte sie aber im Preis-Leistungsverhältnis für zu teuer und für zu schnell veraltet. Image zählt für mich bei solchen Geräten wenig, nur Funktion. Und da sind andere preisgünstiger. Aber, das sei auch angemerkt, ich kann verstehen, wenn man sich so etwas zulegt. In anderen Bereichen bin ich auch bereit, Design und Markenimage mit zu bezahlen. Wenn auch das Qualitätsversprechen eingehalten wird. Aber kommen wir zurück zu Apple. Die Innovationskraft von Apple ist beeindruckend. Nur noch übertroffen von der Marketingkraft. Über den Daumen gepeilt stellt die Innovationskraft für mich rund ein Drittel des Wertes der Apple-Aktie dar.

Apple ist für mich eine große technische Entwicklungsfirma, ein Marketing- und ein Handelsgigant. Eine Produktion gibt es nicht. Die Geräte werden fremdfabriziert, in China, Korea oder wo immer. Die Arbeitsbedingungen bei den Zulieferfirmen interessieren Apple scheinbar wenig bis gar nicht. In der  Steuervermeidung ist Apple groß. Und da sind wir schon bei den Knackpunkten. Für mich hat ein Unternehmen Verantwortung für alle, die mit ihm verbunden sind. Das sind auch die Produktionsmitarbeiter bei den Auftragsproduzenten. Und wer Steuern, auch wenn das auf legale Weise geschieht, künstlich vermeidet, schadet der Allgemeinheit. Klar, der Gewinn steigt dadurch. Das führt zu einer immer höheren Aktiennotierung. Und zu noch höheren Gewinnen für die Aktionäre.

Gemessen an der Marktkapitalisierung, also dem Börsenwert, ist Apple das wertvollste Unternehmen der Welt. Nur, dieser Wertmaßstab ist falsch. Die Innovationskraft ist für mich ein Wert, verbunden mit einer eingespielten Organisationsstruktur. Hinsichtlich Produktion gibt es aber Abzüge. Würden faire Bedingungen für die Menschen in der Produktion gelten, wäre das teurer und gewinnschmälernd. Auch hinsichtlich der „Steuerverantwortung“ gibt es einen Abzug. Würden Steuern ordentlich entrichtet, würde das zu Lasten des Gewinns gehen. Wobei wir hier nicht von knappen, sondern von mehr als satten Gewinnmargen bei Apple reden. Es gibt aber noch ein Problem bei Apple, die hohen Geldreserven, abermilliarden gebunkerte Dollar. Brächen die herkömmlichen Währungen weg, also auch der Dollar, wäre Apple auch darum weniger „wert“.

Apple mag das teuerste oder eines der teuersten Unternehmen sein, wenn man den aktuellen Aktienpreis nimmt und zusammenrechnet. Aber das hat nicht unmittelbar mit substantiellem Wert zu tun. Ein ebenso geschicktes wie beinhartes Marketing schafft hohen Absatz bei hohen Gewinnmargen für Produkte mit eingeschränkter Nachhaltigkeitsqualität. Zusammen mit zusätzlich hochkonstruierten Gewinnen kommt es zu einem hohen Aktienkurs, der einen „Wert“ vorgaukelt, der gar nicht vorhanden ist.  Die Aktie von Apple notiert heute bei rund 125 US-Dollar. Nach meiner Rechnung und wenn ich alle Faktoren berücksichtige, ist es fair, wenn wir 50 Dollar als Einwechselpreis ansetzen.  Für eine Aktie von Apple bekommen Sie also T:MONEY im Gegenwert von 50 US-Dollar.

Keine Frage, niemand wird das machen, wenn er heute seine Aktie verkaufen kann und mit den Dollar mehr T:MONEY erhält als beim Einwechseln der Aktie. Aber wie ist es, wenn wir dieses Einwechselangebot Aktie gegen T:MONEY, sagen wir, bis Ende kommenden Jahres garantieren? Auch und gerade wenn die Apple-Aktie in den offiziellen Notierungen darunter fallen sollte. Denn wer weiß, was kommt? Dann nehmen hoffentlich viele unser Angebot an und wir können das Ruder noch herumreißen und Apple zu einem richtig guten und wertvollen Unternehmen machen. Mit sehr guten, nachhaltigen und hoch innovativen Produkten zu guten, aber dennoch angemessenen Preisen. Mit Verantwortung für alle, die mittelbar und unmittelbar für Apple tätig sind. Und bei einer fairen Steuerbemessung und -entrichtung, die immer noch gute Gewinne für seine Aktionäre bedeutet. Die im Falle von TREEEC, wir wären ja dann einer der Aktionäre, wieder in Werte investiert würden.

Das Angebot von TREEEC, Aktien eines Unternehmens gegen T:MONEY einzuwechseln, wird kommen. Dabei wird es auch Firmen geben, bei denen es keinen Abschlag wie bei Apple geben wird, sondern die aktuelle Aktiennotierung genommen wird, oder sogar noch ein Aufschlag darauf. Dabei handelt es sich aber dann um Unternehmen, die jetzt schon Potential und substantiellen Wert haben und sich in Verbindung mit TREEEC kraftvoll entwickeln und neue Werte schaffen können. Und da werden sogar Unternehmen dabei sein, die jetzt wenig beachtet werden oder ein Schattendasein führen. Weil ihre Möglichkeiten bei dem derzeitigen falschen Verständnis von „Wert“ nicht erkannt und genutzt werden. TREEEC wird diese Werte aktivieren.

Ach ja, ich habe noch ein Angebot für Sie. Für die Aktie der Deutschen Bank. TREEEC bewertet sie derzeitig großzügig mit 1 Euro. Aber vorläufig ist das nur bis Ende dieses Jahres gültig. Banken in der heutigen Form werden in vielen Bereichen überflüssig und ganz anders. Aber immerhin ließe sich noch einige Struktur nutzen und die Mitarbeiter könnten für Serviceaufgaben bei TREEEC umgeschult werden. Doch ganz abgesehen von diesem so provokanten wie scherzhaften Angebot, haben Sie verstanden, was ich sagen will?

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4 Kommentiert

  1. blackeagle2

    Ich möchte das noch kurz ergänzen. Schauen wir uns Folgendes an.
    W= Preis der Ware
    c= Kosten für Ressourcen und Infrastruktur
    v= Löhne
    m= Mehrwert oder Profit des Investors

    Daraus ergibt sich W=c+v+m. Dieser Mehrwert „m“ muss letztendlich vom Konsumenten getragen werden und dient dem Investor zu weiteren Investitionen auf den Kapitalmärkten, die noch höhere Renditen versprechen.
    Unternehmen und Unternehmer müssen sich wieder an die ureigensten Aufgaben erinnern. Aufgabe ist es die Gesellschaft mit Waren und Dienstleistungen zu beliefern und Arbeitsplätze zu schaffen. Er muss sich bei allem was er tut, seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bewußt sein und sich von dieser Verantwortung in seinen Entscheidungen leiten lassen. Nicht die Maximierung des Profits, sondern durch sinnvolle Investition des Gewinnes in “c” ( Infrastruktur, wie Maschinen, Anlagen, Ausbildung u.a.) sowie in “v”- einer vernünftigen Lohn- und Gehaltsstruktur – können wir eine Wertsteigerung des Unternehmens und gleichzeitig eine Stabilisierung des gesellschaftlichen Systems erreichen.

    Diese Veränderung kann nur in genossenschaftlichen Strukturen funktionieren, wie TREEEC eines ist.

    • Dummerchen

      Lange habe ich über Ihren Kommentar nachgedacht. Mein Schulwissen im Kopf gewälzt, um dann doch einige Fragen zu Ihrer Aussage zu stellen

      Ausgangspunkt ist folgender Satz:

      „Unternehmen und Unternehmer müssen sich wieder an die ureigensten Aufgaben erinnern. Aufgabe ist es die Gesellschaft mit Waren und Dienstleistungen zu beliefern und Arbeitsplätze zu schaffen.“

      Kommt der Unternehmer der heutigen Tage nicht seiner ureigensten Pflicht: Belieferung mit Waren und Dienstleistungen, nach? Was passiert, wenn der Markt an Waren/Dienstleistung gesättigt ist?
      Warum soll ich einen Arbeitsplatz schaffen, wenn die zu übernehmende/auszuführende Tätigkeit durch den Arbeiter, auf Grund des derzeitigen absolut hohen Spezialisierungsniveaus, durchaus eine Maschine/Computer/Industrieroboter erledigen kann?

      • Dummerchen

        Ergänzung:

        Mit „ich ist in diesem Fall „der Unternehmer“ gemeint.

  2. blackeagle2

    @Dummerchen

    Eigentlich wollte ich die Frage beantworten, aber Herr Kriegeskotte war schneller:
    http://blog.treeec.xyz/2015/07/16/treeec-und-die-zukunft-von-wirtschaft-und-arbeit/

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