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Die Überwindung des Kapitalismus durch den Valorismus

Der Kapitalismus in seiner heutigen Form als Finanzkapitalismus dellt durch Finanzkrisen ein, ist aber scheinbar ungebrochen. Sein granitgrauharter Mantel bedeckt die ganze Welt. Wer auf der Oberseite dieses Mantels ist, hat Licht und Luft und Brot, wer darunter ist, hat wenig bis nichts. Bestenfalls entwickelt sich darunter noch prächtig das Unkraut der Unterdrückung und der Korruption. Patchworkartig versieht der Kapitalismus da und dort seinen Mantel mit sozialen und ökologischen Aufnähern, um nach außen gefälliger daherzukommen. Er schmückt sich auch unter der Bezeichnung „Entwicklungshilfe“ und „Humanitäre Hilfe“ mit Abzeichen der Gewissenberuhigung. Doch die Schwächeren und Armen und Hungernden ersticken und sterben unter diesem Mantel oder werden als billige Arbeitssklaven gehalten.

Wer den Sozialismus für die bessere Alternative hält, hat nicht begriffen, dass dieses Modell nicht funktioniert hat und nicht funktionieren konnte. Es kann kein Füllhorn geben, das über alle den gleichen Segen ausschüttet, Leistung durch Erwartungshaltung ersetzt und immer weiter nach unten nivelliert statt nach oben. Sozialismus musste nur als Namen für ein überbordendes staatsbürokratisches System herhalten, das Pfründen und Privilegien geschaffen hat, in Bewegungslosigkeit erstickt und schließlich Pleite gegangen ist. Dort wo er noch mehr oder minder nominell existiert, leiden die Menschen oder machen Experimente mit dem Kapitalismus, die zwar scheinbare Vorteile erzeugen, aber auch große neue Probleme mit sich bringen.

Ist das Kapitalismuskritik und Sozialismuskritik zugleich? Ja, da ist es. Der Kapitalismus hat scheinbar gegenüber dem Sozialismus gesiegt, aber er ist erstarrt und nicht mehr fähig, sich aus sich selbst heraus weiter zu entwickeln. Die Zeiten des Frühkapitalismus mit seinem ausbeuterischen Zügen und dem begleitenden Kolonialismus scheinen vorbei. Aber tatsächlich ist der Spätkapitalismus heutiger Prägung, den ich den Altkapitalismus nenne, nur Ausbeutung und Kolonialismus im neuen Gewand. Der Kapitalismus als Finanzkapitalismus hält die Welt in Geiselhaft. Finanzielle Interessen steuern die Wirtschaft und beeinflussen die Politik. Es gibt Länder, die im wirtschaftlichen Überfluss leben. In anderen Ländern gibt es eine tiefe und kaum zu überbrückende Schlucht zwischen Reichen und Armen. Und schließlich gibt es solche Länder, da herrscht tiefste Not und Armut, vielfach auch Krieg, und fast alle Menschen dort sind davon betroffen. Der Kapitalismus wird von denen hoch gelobt, die im Überfluss leben. Die anderen wünschen ihn sich ebenfalls herbei, welche Alternativen gab es denn bisher auch, oder gehen auf die Flucht, um in die gelobten Länder des Kapitalismus zu gelangen.

Der Kapitalismus geht mit einem Neokolonialismus einher, der nicht mehr Truppen in die zu kolonialisierenden Gebiete entsendet, sondern sich der Rohstoffe und Ressourcen bemächtigt und die Menschen zu billigen Arbeitssklaven macht. So holt man das meiste dort raus und spart sich noch die Verpflichtungen einer Kolonialmacht. Afrika ist ein gutes Beispiel dafür. Dieser durch den Kolonialismus zerrissene und sich dann selbst überlassene Kontinent ist heute Betätigungsfeld für Länder und Unternehmen, die Ausbeutung mit anderen Mitteln betreiben. Das Argument, dadurch Infrastruktur zu schaffen und den Menschen Arbeit zu geben, lasse ich nicht gelten, solange dort vor Ort nicht auch damit verbunden eine neue und konkurrenzfähige Wirtschaftsstruktur mit aufgebaut wird. Bei gleichzeitig massivem Druck auf die dortigen Potentaten, muss ich hinzufügen, um Korruption und Ausbeutung durch die eigenen Leute an den Hebeln der Macht einzudämmen.

Der Kapitalismus kann niemals eine Lösung für alle bringen, sondern wird immer ein Gefälle zwischen denen, die besitzen, und jenen, die nichts haben, aufrechterhalten. Als Finanzkapitalismus fließt das Geld gleichsam bergauf zu den wenigen ganz oben, die diesen Zustand fest betoniert halten. Ich weiß, dass es sehr reiche und sehr verantwortungsvolle Unternehmer und „Kapitalisten“ gibt, die große Teile ihres Vermögens einsetzen, um die Welt besser zu machen und zu helfen. Ich nenne nur als Beispiele einen Bill Gates oder einen Warren Buffet, die große ihrer Vermögensteile gestiftet haben. Was aber im Grunde ein sinnloses Unterfangen war und ist. Dieses Geld hätte wesentlich besser und effektiver eingesetzt werden können. Denn was immer damit gemacht wird, es wird damit nur an Symptomen herumgedoktert, die der Kapitalismus ausgelöst hat. Das betrifft selbst die von Gates gesponserte Forschung gegen den Malariaerreger. Weil es hauptsächlich nur arme Menschen in armen Ländern betrifft, ist es kein „Geschäft“ und damit in der kapitalistischen Denkweise investitionsunwert. Das Problem des Kapitalismus ist sein vollkommen unsinniges und krankes Verständnis von Geld im Verhältnis zu Werten. Menschen, auch noch so vermögende, spielen sowieso dabei eine zunehmend geringere Rolle. Die Finanzinstitution und Finanzkonglomerate haben die Macht übernommen.

Ich habe schon in einem der voran gegangenen Beiträge bezeichnet, was dem Kapitalismus nachfolgen wird und muss, der Valorismus. Der Valorismus nicht nur als eine neue Wirtschaftsordnung, sondern als ein neues Verständnis von realen Werten und einer Gesellschaftsordnung, die auf diesen Werten und der Verantwortung aufbaut, Werte zu erhalten und neue zu schaffen. Die „Werterhaltung“ unseres Planeten gehört genauso dazu wie die „Investition“ in den Menschen und alle Menschen, die dazu beitragen. Jeder an seinem Ort und in seiner Weise. Menschen in ärmeren und benachteiligten Regionen und Ländern auszuschließen wie im Kapitalismus, ist eine Vergeudung und Verschleuderung von Werten, die jeder einzelne Mensch mit seinen Möglichkeiten darstellt.

Es ist nicht so, dass der Altkapitalismus nicht doch noch einen guten Dienst zu seiner eigenen Überwindung leisten kann. Eine neue Entwicklung braucht eine Ausgangsbasis, von der aus sie beginnt. Wir stehen gleichsam an einer Küste, vor uns der Ozean, und sehen den Kapitalismus wie ein riesengroßes Schiff auf uns zu kommen, das in seiner ungebremsten Unbeweglichkeit nur noch eines kann, stranden. Deshalb haben wir uns schon darauf vorbereitet, es abzuwracken und das raus zu holen, was für ein neues, beweglicheres und dauerhafteres Wirtschaftsschiff verwendbar ist. Leistung und Streben nach Gewinn gehören dazu. Ebenso Privateigentum an den Produktionsmitteln. Der Markt als grundsätzliches Steuerungselement, jedoch mit entscheidend neuer Wertorientierung. Finanzspekulation und Zinsen lassen wir hingegen im Wrack des Kapitalismus zurück. Dafür gewinnen Verantwortung und Solidarität einen neuen Stellenwert. Ganz wesentlich kommt ein neues Verständnis des Geldes als werthaltiges Funktionsmittel und überhaupt von Wert und Werten hinzu. Dem Feudalismus folgte der Merkantilismus, diesem der Kapitalismus, der den Sozialismus niederrang, nun beginnt der Valorismus. TREEEC liefert das Modell dafür.

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Ein Kommentar

  1. Dummerchen

    Auf den Punkt gebracht! Insbesondere die kurze Analyse über die Pleite des Sozialismus ist treffend dargestellt.

    Ergänzend möchte ich hinzufügen, dass der Sozialismus oder das, wie der Autor schreibt „überbordendes staatsbürokratisches System“ in keinem Fall mit dem übereinstimmte, was die geistigen Väter dieser Gesellschaftsordnung, so möchte ich es bezeichnen, als Sozialismus definierten.

    Das Dummerchen