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Noch einmal China. Vielleicht als Motor der Welt?

Börse, Talfahrt, staatliche Eingriffe. Diese Schlagworte geben die Meldungen wieder, die derzeit aus China kommen. Die Aktien von Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 2,5 Billionen US-Dollar sind vom Handel ausgesetzt. Das ist die Folge des spekulativen und vielfach kreditfinanzierten Aktienbooms der vergangenen Monate. Es ist von „Panik der Investoren“ die Rede und dass die staatlichen Interventionen den Abwärtstrend an den Märkten bisher nicht verhindern konnten. Und das in den weitgehend abgeschotteten chinesischen Märkten.

Bei solchen Meldungen stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. Bildlich gesprochen, denn ich habe keine Nackenhaare, die sich aufstellen könnten. Denn diese Geschehnisse sind Folge einer Denk- und Handlungsweise, die krank und psychopatisch ist. Ich baue ein Haus, in dem ich gute Mitbewohner unterbringe, nämlich Unternehmen, die einen Wert haben und Erträge erwirtschaften. Vielleicht ist auch der ein und andere Blender dabei, aber das kümmert jetzt hier nicht. Jedenfalls mache ich dann einen Graben eng um das Haus, flute den mit Benzin und lade alle Raucher der Umgebung zu einer Party dorthin ein. Und dann wundere ich mich, dass das Haus plötzlich in Flammen steht.

Das Haus ist die Börse mit den dort notierten Unternehmen. Das Benzin ist die Spekulation mit Aktien auf Pump. Und die Raucher sind die privaten Anleger, die auch noch Panik bekommen, wenn der Brand ausbricht und wegrennen statt die Nerven zu behalten und löschen zu helfen. Aber klar, Benzin zu löschen ist nicht so einfach. Warum lade ich überhaupt Raucher zu einer Party neben offenem Benzin und gebe ihnen Kredite für solche Spekulationsgeschäfte? Das ist eines der Geheimnisse der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, wie sie auch China übernommen hat. Trotz der Abschottung. Doch China hat einen großen Vorteil gegenüber den überwiegend von Finanzinteressen beherrschten westlichen Ländern, es könnte von oben her eingreifen und die Dinge konsequent neu ordnen.

Eine Neuordnung in einer Weise, die Kapitalanlage nur mit vorhandenem Geld und ohne Umwege über toxische und krank machende Derivate und Hebelprodukte rein in Aktien und Beteiligungspapiere bedeutet. Die überhaupt alles abschafft, was nicht reine Beteiligungspapiere sind und damit verbundene Spekulation bedeuten. Reichen nicht die Erträge der Unternehmen, die bis zu einem gewissen „gesunden“ Maß als Dividenden ausgeschüttet werden? Und solide Wertsteigerungen, die sich in steigenden Aktienkursen ausdrücken? Unternehmen brauchen  Kapital. Gesundes Kapital, das nicht die Aktienkurse Achterbahn fahren lässt. Kapital und Kapitalanleger, die ein Unternehmen nicht kurzfristig abkassieren wollen, sondern gute und langfristige Rendite bei hoher Stabilität wünschen.

Wer ein höheres Risiko eingehen und damit auch höhere Renditen, bei möglichen Verlusten bis zum Totalverlust des Geldes, erzielen will, kann sich an einem „Venture“ oder einem einzelnen Geschäft beteiligen. Wenn früher Schiffe nach Indien geschickt wurden, um mit exotischen Waren und Gewürzen nach Europa zurück zu segeln, dann haben sich Investoren als Mitunternehmer daran beteiligt. Die Risiken waren groß, denn solche Schiffe konnten in Unwettern verloren gehen oder von Piraten gekapert werden. Dann waren das Schiff und damit das investierte Geld weg. Kam es aber wohlbehalten zurück, dann erwarteten den Investor große Gewinne. Jedenfalls war es bei aller Spekulation ein reales Geschäft, mit vorhandenem Geld finanziert und mit einem Risiko, das nicht alle mit in den Abgrund riss, wenn es eintrat.

Sie werden jetzt sagen: was hat das denn mit China zu tun? Wie kommt er denn jetzt dorthin? Ich bin überzeugt, dass die Rolle, die das Reich der Mitte schon spielt und absehbar in Zukunft wirtschaftlich spielen wird, eine absolute Führungsrolle sein kann. Für dieses Land wäre es aber jetzt und heute noch möglich, in Sachen Finanz und Wirtschaft eine Bewusstseinsänderung und einen Kurswechsel vorzunehmen. Nicht ohne Schmerzen und heftige Widerstände derjenigen, für die das Finanzmodell des herkömmlichen Kapitalismus schon eine Religion ist. Aber noch halte ich es für möglich. Und wenn ich sage, China „kann“ diese absolute Führungsrolle erreichen, dann präzisiere ich: wenn es sich nicht so angreifbar und finanzkrankheitsanfällig macht wie die anderen Länder, die weiter Spekulation und „Finanzwirtschaft“ für echte Wirtschaft halten und dieser zurechnen. Einschließlich der Überwindung der Fehler und Schwächen der nationalen Wirtschaftsstruktur. Dann, ja dann kann es der Motor der Welt werden.

Das „Abendland“, und nicht nur das, fürchtet China, auch wegen seines zunehmenden Machtstrebens. Dabei ist es kein Wunder, dass ein Land dieser Größe mit zunehmender Wirtschaftskraft auch seinen Macht- und Einflussbereich ausdehnt. Wenn ich hoffe, dass China erkennen möge, dass es in Sachen Finanzsystem einen anderen Weg gehen könnte und sollte, was auch zu einer anderen Form der Wirtschaft – weiter leistungsorientiert, aber nachhaltig und stabil – führen kann, dann habe ich einen Hintergedanken. Soweit kennen Sie mich schon. Dann habe ich den Hintergedanken, dass TREEEC ins Spiel kommen könnte. Und damit ein kooperatives Modell von Wirtschaft, das nicht nur nationale Grenzen, sondern auch nationales Denken überwindet und sinnvolle und klare Strukturen schafft. Keine Frage, „gesunden“ Wettbewerb muss es geben. Aber der muss nicht zwischen Ländern stattfinden, und er muss nicht auf Verdrängung und Beherrschung mit allen Mitteln setzen.

Ich leiste mir also den Luxus eines Wunschtraumes. Oder besser, einer Vision. Einer Vision als vorweg genommener Realität. Jedenfalls sind wir schon heute eine globale Gemeinschaft. Die es sich nicht mehr lange wird leisten können, banales nationales Machtstreben zum Motor der Politik zu machen. Dabei muss es Nationen geben, die groß und bedeutend genug sind, dass das Vorbild, das sie darstellen (können) zum Handlungsmuster auch für die anderen wird. Bin ich ein Spinner? Ein Phantast? Vielleicht. Was China anbelangt. Aber nicht im Grundsätzlichem.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich verschiedene Wege zum Ziel suche und Alternativen einplane. TREEEC muss sich auf allen Ebenen durchsetzen und bewähren. Warum sollte man es sich schwer machen, wenn es auch leicht gehen könnte? Man sollte China fragen, was es von der Idee und der Chance, sie zu realisieren, hält. Aber „man“ kann eigentlich nur ich sein. Wen könnte und sollte ich dort fragen? Und in welcher Weise? Mit welcher Aussicht auf Erfolg? Ich werde darüber nachdenken. Und die Mitglieder des TREEEC COUNCIL fragen. Wenn sich denn dafür geeignete Persönlichkeiten finden sollten. Also, versuchen wir es, packen wir es einfach an. Wer nicht fragt, bekommt keine Antwort.

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