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Über Kommunikation und persönliche Besprechungen

In der heutigen Zeit läuft die geschäftliche Kommunikation sehr viel über Email, Telefon, Online-Konferenzen und was der elektronischen Möglichkeiten noch mehr sind. Jedenfalls ist es wesentlich schneller und kostengünstiger, als sich persönlich zu treffen. Trotzdem, das Gespräch unter vier oder mehr Augen ist unerlässlich, um sich besser kennen lernen und einander besser abschätzen zu können. So schätze ich es, wenn ich meinen Geschäftspartner zumindest einmal persönlich getroffen habe, wo immer er auch auf dieser Welt ist. Oder anders herum, wenn er zu mir kommt. Da ich nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern auch genügend zu bieten habe, was für die andere Seite einen Wert darstellt, ist mir das „anders herum“ heute meist angenehmer.

Wenn ich jemanden einmal kennen gelernt habe, bilde ich mir ein Urteil. Ist das positiv, kann es weiter gehen. Dann muss ich ihn aber auch nicht mehr ständig sehen und mich auch nicht ständig mit ihm persönlich besprechen. Email ist nicht immer der zeitsparendste Weg, aber was geschrieben steht, kann auch nicht so leicht missverstanden werden. Dass ich Geschäftsfreunde aus Asien, Australien, Nordamerika oder von wo immer jahrelang nicht mehr persönlich getroffen habe, tut unserer Freundschaft keinen Abbruch. Trotzdem gibt es Menschen, die unglücklich sind, wenn sie nicht stundenlang durch die Gegend fliegen oder fahren können, um dann eine Stunde mit jemand anderem persönlich zu sprechen. Ohne dass es tatsächlich die Notwendigkeit dazu gäbe. Natürlich, heute wird jeder und alles abgehört und ich mag da in einem besonderen Fokus stehen. Aber wenn man es darauf anlegt, das mitzubekommen, bleibt auch kein persönlich geführtes geschäftliches Gespräch unbelauscht.

Bei Menschen aus ehemaligen sehr überwachungsintensiven Regimen beobachte ich auch heute noch den starken Drang zum persönlichen Zusammentreffen, selbst wenn diese Regime schon lange nicht mehr existieren. So beispielsweise bei russischen oder bulgarischen Freunden. Und auch bei Leuten, die aus der ehemaligen DDR kommen. Wenn ich mich an einen Besuch in Magdeburg bei einem Oldtimerfreund als Student erinnere, damals noch vor dem Mauerfall, schloss er immer die Fenster seiner Wohnung, wenn wir miteinander sprachen. Bestimmte Lokale wollte er nicht mit mir besuchen aus Angst vor Spitzeln. Telefonieren wollte er schon gar nicht.

Nun, bei dem Besuch eines Bundesdeutschen bei einem DDR-Bürger war das sicher angemessen. Aber es scheint mir heute bei einigen Leuten, die ich kenne, immer noch als Verhaltensmuster in Fleisch und Blut zu stecken, dass man alles persönlich besprechen müsse. Selbst ein Rechtsanwalt, der in der DDR noch Staatsanwalt war, und mit dem ich gut bekannt war, zog es immer vor, dass wir uns zum persönlichen Gespräch trafen. Und er ist durchaus nicht der einzige. Natürlich kann man sich treffen, wenn es leicht geht. Aber um Geschäftliches weiter zu bringen, ist es oft nur eine sinnlose Vergeudung von Zeit und Energie, die man besser einteilen und einsetzen sollte.

Es gibt aber noch einen Aspekt. Pure Unsicherheit. Wer sich unsicher ist, scheint mir manchmal krampfhaft Halt in einem persönlichen Gespräch zu suchen. Mancher macht dann auch noch elegische schriftliche Aufzeichnungen, um alles fest zu halten, statt einfach nur das Gespräch zu führen. Wobei ich finde, dass manche Leute sowieso viel zu viele Gespräche führen und trotzdem nichts weiterbringen. An dieser Stelle muss ich mich aber selbst an die Nase fassen, denn manchen Leuten habe ich mich bemüht, eine Sache immer wieder und in immer wieder anderer Form nahe und bei zu bringen. Um am Ende dann doch festzustellen, dass das vergeblich war, sie haben es einfach nicht kapiert. Und ich habe mir dann gerade von denen, die dem am wenigsten folgen konnten,.noch den Vorwurf eingehandelt, ich sei ein Schwätzer.

Aber man lernt nie aus und auch ich habe gelernt. Wenn mein Geschäftspartner nach einem ersten persönlichen Zusammentreffen noch Informationsinput braucht, kann das auch auf technischen Wegen kommuniziert werden. Mein Bemühen, jemandem etwas nahe zu bringen und zu erklären, werde ich nicht einstellen, wenn er mir interessiert und engagiert erscheint. Selbst wenn sich irgendwann herausstellen sollte, dass er überfordert ist. Wie es bei  TREEEC leicht geschehen kann. Denn in der Anwendung und für die Nutzer ist das logisch und einfach. Aber im Hintergrund handelt es sich um eine komplexe und sehr durchdachte Sache, bei der ein Rädchen in das andere greift. Und diejenigen, die diese „Maschinerie“ beherrschen und leiten sollen, müssen diese Komplexität auch Stück für Stück lernen zu  verstehen und die Möglichkeiten erkennen und anwenden können, um dann entschlossen zu handeln.

Aber schon für das erste Treffen mit mir wie für alle weiteren gilt: wenn du was willst, komm zu mir. Und wenn ich was von dir will, dann komm auch zu mir, du willst doch ein Geschäft machen. Wenn ich das nun ebenfalls auf TREEEC anwende, wird es aber gar nicht möglich sein, dass alle zu mir oder, wenn nicht anders möglich, ich zu ihnen komme. Das gilt insbesondere für die, die in ihren Heimatländern und Regionen als Mitinitiatoren und Partner dabei sein wollen. Das wäre allseits zu zeit- und auch zu kostenaufwändig. Aber jeder wird einen persönlichen Ansprechpartner haben, mit dem er sich austauschen kann und den er auch früher oder später persönlich kennen lernen wird. Jetzt gilt es erst einmal los zu legen. Und dabei die Möglichkeiten zu nutzen, die es uns erlauben, über Email, Telefon und Videokonferenz zu kommunizieren. Um TREEEC weiter zu bringen.

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5 Kommentiert

  1. blackeagle2

    Zwei Dinge zum Anmerken. Um TREEEC in seiner Komplexität verstehen und vorallem auch anwenden zu können, muß man sich sehr viel Input geben. Aber dann kommt das nächste „Problem“. Da man es selber verstanden hat denkt man, alle Anderen müssten es auch verstehen, weil es doch sooo logisch ist. Genau daran hapert es. Wie also dieses Problem lösen? Man darf TREEEC nicht in seiner Komplexität erklären wollen, sondern nur in Bezug auf die Probleme seines Gegenüber. Wenn ich weiß, welches Problem er hat, kann ich ihm unsere Lösung anbieten. Nur so werden wir im Verständniss von TREEEC weiterkommen.
    Ja und auch nur das Verständnis für die eigene Wertigkeit bringt uns dazu, nicht sinnlos durch die Gegend zu fahren. Aber auch ich halte es für absolut sinnvoll, seinen Geschäftspartner einmal persönlich gesehen zu haben. Am liebsten beim ersten Gespräch.

  2. Preußin

    Hmmm, in dieser Sache bin ich zwiegespalten. Sicher sind die Formen der modernen Kommunikation ( auch wenn sie durchaus noch ihre Schwachstellen haben) ein Segen. Es geht nicht ohne sie. Und man muss auch nicht wegen jedes Gespräches, wegen jeder Verhandlung um den halben Erdball reisen. Der Nutzen sollte immer den Aufwand rechtfertigen. Aber, das persönliche Gespäch ist in gewissen Situationen durch nichts zu ersetzen. Wichtiger als das gesprochene oder geschriebene Wort ist die Körpersprache meines Gegenübers. Kann er mir in die Augen schauen oder schaut er knapp an meinem Gesicht vorbei? Sitzt er mir offen gegenüber oder lehnt er sich mit verschränkten Armen zurück? Erreicht sein Lächeln die Augen oder ist es nur ein Grinsen? Ja, ich komme aus dem Osten und ja, ich bin nur eine kleine Angestellte, aber ich leide nicht an Verfolgungswahn und ich traue mir auch etwas Menschenkenntnis zu. Seinem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen, bedeutet auch ihm in die Augen zu schauen.

  3. blackeagle2

    @Preußin-„Ja, ich komme aus dem Osten und ja, ich bin nur eine kleine Angestellte…“ Warum zwei Entschuldigungen auf einmal? Haben diese Attribute irgendetwas mit Menschenkenntnis zu tun? Keiner sollte sich dafür entschuldigen wo er herkommt oder was er macht, es sei denn er ist kriminell.
    Also schauen wir unserem Gegenüber in die Augen und machen wir uns unser Bild. Beim zweiten Kontakt geht es auch locker über Telefon.

  4. Sommerlaune

    @ Preußin
    Es gibt keinen Grund, sich KLEIN ZU REDEN.
    Sie sehen auch aus dem vorherigen Kommentar, man schätzt Ihr hier sein und man schätzt Ihre Meinung. Warum sollte man diese an Ihrem Beruf oder Ihrem Wohnortes messen?
    TREEEC braucht Menschen, die mit ihren Sichtweisen beim Aufbau unterstützen. Das Baby steht. Sie tragen mit dazu bei, dass es los läuft.

    • Preußin

      Vielen Dank für die Blumen. Aber ich wollte mich gewiss nicht kleinreden, sondern nur auf die Aussage von Tai bezugnehmen, dass er besonders bei ehemaligen DDR-Bürgern dieses Phänomen von der Vorliebe zum persönlichen Gespräch wahr nimmt. Desweiteren fühle ich mich in diesem Blog als die große Ausnahme. Ich habe den Eindruck, dass hier (wie überhaupt bei TREEEC) in erster Linie Unternehmer, Manager, Banker usw. angesprochen werden. Ich finde die Vision und die Ideen von TREEEC einfach faszinierend und wünsche sehr, dass Vision und Praxis zueinander finden.