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Neues Geld. Für Griechenland und alle anderen

In meinen voran gegangenen Beiträgen zu Griechenland habe ich mehr oder minder deutlich von den Chancen gesprochen, die dort nun für ein neues, parallel eingeführtes Währungssystem und neues Geld bestehen. Dabei habe ich ein Währungssystem nach dem Modell von TREEEC und TREEEC selbst gemeint. Aber die Chancen dafür stehen schlecht. Wenn es dazu kommt, dass Griechenland von der Zufuhr von Euro abgeschnitten werden sollte oder gar aus der Eurozone austreten muss, wird eine neue Drachme kommen, die nach dem selben kaputten Währungsmodell wie alle anderen herkömmlichen Währungen auch aufgebaut sein wird.

Das „Ochi“, das Nein der Griechen in dem Referendum zu den Vorschlägen von EU & CO, habe ich erwartet, auch in dieser Deutlichkeit. Wenn ich Grieche wäre, hätte ich auch so abgestimmt. Es wäre der Ausdruck meines Stolzes gewesen, nicht meiner Vernunft. Ich hätte gar nicht anders gekonnt. Dabei wäre Vernunft höchst gefragt gewesen. Denn um ein neues Währungssystem wie T:MONEY, und was damit zusammenhängt, einzuführen, bedarf es noch einer Zeit lang der herkömmlichen Währung, in dem Fall des Euro. Das ist schon eine organisatorische Notwenigkeit und auch eine Frage der dafür verfügbaren Kapazitäten und Energie.

Diese Kapazitäten und Energie werden aber jetzt und die kommenden Wochen und wahrscheinlich Monate von den Verhandlungen, die auch Auseinandersetzungen sein können, und den wachsenden Problemen in Griechenland aufgrund der Währungsturbulenzen kompensiert. Da kann es auch noch ziemlich rund gehen, machen wir uns nichts vor. Aber nicht nur, dass das Modell von TREEEC noch ganz am Anfang steht, so überzeugend es ist, es bedarf auch einer sehr intensiven Information und Schulung auf allen Ebenen sowie der Schaffung noch erforderlicher rechtlicher und technischer Voraussetzungen. Nichts, was nicht zügig möglich wäre, aber was eine gewisse Ruhe braucht, die in diesen Zeiten nach dem „Ochi“ durch die Probleme, die Hektik und den Druck, der auf den Menschen in Griechenland lastet, einfach nicht vorhanden ist.

Ohne Frage, je größer das Chaos und die Unsicherheit, desto größer auch die Chancen für TREEEC und T:MONEY. Wir können uns eigentlich ganz entspannt zurücklehnen und beobachten, wie das in Griechenland drunter und drüber geht. Wenn das Land dann „reif“ ist, indem es vollkommen am Boden liegt, kommen wir mit TREEEC. Wenn, ja wenn es nicht die Menschen gäbe, die da leiden müssen. Doch wir können es noch nicht ändern und nur hoffen, dass die Europäische Union trotz der Ohrfeige aus Griechenland die Solidarität aufbringt, um das Schlimmste zu verhindern.

Die Augen aller, die sich mit Finanz und Wirtschaft beschäftigen, zumindest in Europa, sind derzeit auf Griechenland gerichtet. Ich komme aber nicht umhin, immer wieder darauf hinzuweisen, dass es den Griechen immer noch gut geht, trotz ihrer Probleme, wenn man das mit anderen Ländern vergleicht. Ich sehe uns, und damit meine ich TREEEC und alle diejenigen, die in der Lage sind, ihre Verantwortung zu erkennen und daraus zu handeln, in eben dieser Verantwortung für alle Länder und die Menschen dort. Wir dürfen nicht darauf warten, dass das Chaos auch bei denen ausbricht, die noch stabil sind oder zumindest so erscheinen.

Bei relativer Ruhe und in relativer Sicherheit lässt sich leichter ein neues Währungs- und Wirtschaftssystem aufbauen, als in Zeiten des Zusammenbruchs. Diejenigen Länder können als Brückenköpfe dafür dienen, die wie Deutschland noch ziemlich weit von den Problemen entfernt zu sein scheinen. Noch besteht einigermaßen Vertrauen in die herkömmlichen Währungen, auch wenn es für manche, wie für uns bei TREEEC, nur ein relatives Vertrauen ist. Aber das ist hilfreich, um die Kapazitäten und die Energie dafür freisetzen zu können statt ausschließlich und nur noch für die Chaosbewältigung und das eigene Überleben.

Wir gehen pragmatisch an die Sache, Bilderstürmerei wäre auch wenig hilfreich, und genauso wenig, die herkömmlichen Währungen mit einem Schlag abzuschaffen. Deshalb ist der Weg von TREEEC zwar revolutionär, was das Endergebnis anbelangen soll, aber zutiefst innovativ und reformistisch, was die Vorgangsweise betrifft. Aber ich sprach vorher von Verantwortung. Um die nicht nur erklären, sondern dieser auch gerecht werden zu können, brauchen wir die Fähigen und Engagierten, die bei TREEEC – übergeordnet, in ihren Heimatländern und in den Regionen – eben diese Verantwortung mittragen und als Mitinitiatoren und Partner mitmachen.

Übrigens, jeder kann sich bei TREEEC melden, auch aus Griechenland, der dabei sein und Verantwortung übernehmen will: responsibility@treeec.xyz .

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